bernard bychan
evariste galois: tragisches scheitern eines genies
Eine ausgiebige wissenschaftliche Biografie, die keine Fragen offen lässt, außer denen, die sich nicht beantworten lassen.


ende und anfang
Ein Schuss, der nur die Enten im nahen Glacière Teich und die Vögel in den Bäumen am frühen Morgen des 30. Mai aufschreckte. Aber es war auch ein Knall, der aus dem Paris des Jahres 1832 durch Raum und Zeit hallte, immer lauter statt leiser wurde und als Grundstock für das Wuchern der Legenden diente. Im Dickicht der Sagen tummeln sich anonym die Königstreuen und toben eifersüchtige Liebhaber, alle bereit den erst zwanzig Jahre alten Mathematiker im Duell zu töten. Mit dem Schuss wurde die Mär von dem Genie geboren, das in der Nacht vor seinem Tode eine der bedeutendsten mathematischen Theorien skizziert hatte, obwohl doch seine Gedanken eigentlich um das bevorstehende Duell hätten kreisen müssen. In wenigen nächtlichen Stunden soll er das geschafft haben, worin andere vor ihm sich vergeblich bemüht hatten. Zwischen Abend- und Morgendämmerung soll er trotz Todesängste das beschrieben haben, wofür andere Menschen normalerweise Wochen, Monate oder gar Jahre brauchen, um es nur zu begreifen. Ebenso schwierig zu verstehen sind die Hintergründe dieses anscheinend so sinnlosen Duells, in dem Evariste Galois im Alter von 20 Jahren starb.